On ne voit pas bien qu'avec le coeur | Vol. VI

You bring you into every new beginning




Auf einmal war da dieses Knistern in der Luft, Nervosität und Aufregung. Und in der Luft hing dieses leiste „Bald ist es vorbei“ -Geflüster all derjenigen, die sich getraut haben, die Montage zu zählen, die ausgerechnet haben, wie viele Wochen es noch sind und wie viele Tage. Dieses berauschende Gefühl, dass alles bald ein Ende hast – sehr bald. Denn ein kleines Bisschen war ja schon damals das Ende in Sicht, wie ein zarter Streifen Morgenröte am noch grauen, dunklen Nachthimmel. Aber greifbar wurde es erst, als da dieses Datum war. Mit dicker Schrift und unterstrichen stand da der Tag, an dem die schriftlichen Prüfungen sind, wann und wo das Colloquium stattfindet. Und natürlich kam damit auch die Angst, die Angst vor den Prüfungen aber auch die Angst vor dem Ende selbst. Dreizehn Jahre hat man dieses eine große Ziel vor Augen, das Abitur, erwachsen werden, ankommen. Und ein kleines bisschen hat man natürlich Angst vor dem „Was nun?“, denn nach dreizehn Jahren Schülerleben befindet man sich in einer Art Dauerschleife, alles ist eingefahren, erstarrt in Automatismen. Man wiegt sich in Sicherheit, man denkt, dass es immer so weitergehen wird, dass man für immer in diesem Kokon bleiben darf, in dem man doch ein kleines bisschen aufgefangen und beschützt wird. Aber es geht nicht immer so weiter, irgendwann ist da ein Ende – bald.
Dreizehn Jahre ist eine so lange Zeit. Man lernt so viel, man scheitert, aber stellt sich auch immer wieder neuen Herausforderungen. Man wächst, auch an sich selbst. Man weint, hadert, zweifelt – aber man siegt auch und wird letzten Endes doch glücklich. Weil das eben dazu gehört.
Und jetzt ist das Ende erreicht, die letzte Prüfung ist geschrieben, der letzte Sieg errungen. Ein seltsames Gefühl, aber auch ein Ankommen. Ein Entlassenwerden in die Welt, ein Bereitsein für neue Herausforderungen. Ein Aufatmen. Aber auch ein kurzes Innehalten, weil sich mit den Holztüren auch ein Kapitel schließt, weil jetzt wirklich unwiederbringlich die Kindheit vorbei ist. Und ein Lächeln, weil jetzt etwas neues, ganz wunderbares anfangen kann.


(Bild via )
6.4.11 23:14
 
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